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07.10.2011 21:29 Uhr - Aktualisiert 10.10.2011 09:49 Uhr

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Leben ohne Internet: 96 qualvolle Stunden

Bernau Ein Leben ohne Internet? Für viele Jugendliche ist das kaum noch vorstellbar. Schließlich trifft man sich dort mit Freunden, kauft ein, sucht nach Informationen. Fünf Mutige aus der Jugendredaktion haben den Selbstversuch gewagt – und blieben fünf Tage offline.

  © Ohne Internet geht gar nichts mehr: Viele Jugendliche benutzen das Internet, um Informationen abzurufen und sich schnell auszutauschen – auch das Flirten fällt vielen so leichter.

Montag, 17 Uhr: Beginn des Selbstversuchs. Ich poste eine letzte Statusaktualisierung bei Facebook, in der steht, dass ich für die nächsten Tage aufs Internet verzichte und deshalb nicht mehr erreichbar bin. Noch während ich mich abmelden will, blinken schon die ersten Kommentare auf. „Oh mein Gott, wieso das denn?“.

Dienstag, 18:15 Uhr: Habe alle Hausaufgaben erledigt und mein Zimmer aufgeräumt. Um mich abzulenken, lackiere ich mir die Zehennägel. Jeden in einer anderen Farbe. Ich denke, ich werde heute früh schlafen gehen.

Dienstag 16??Uhr: Bin gerade von der Schule nach Hause gekommen und habe routinemäßig meinen Laptop angeschaltet. Da ich jedoch vorsorglich die Verbindung gekappt habe, ist kein Zugang zum Internet möglich. Es ist verdammt still in meinem Zimmer. Meine Anlage habe ich vor gut anderthalb Jahren verschenkt, weil ich ja sowieso meist über YouTube Musik höre.

Dienstag, 18.30 Uhr: War in der Bibliothek, um meinen Vortrag für Geografie morgen auszuarbeiten. Ich vermisse Google.

Mittwoch, 7.25 Uhr: Entnehme soeben dem Vertretungsplan, dass heute die Mathe-Olympiade stattfindet. Rein theoretisch hätte ich das schon gestern wissen können. Naja, wird schon schief gehen.

Mittwoch, 13 Uhr: Für gewöhnlich ist Mittwoch ja mein Lieblingstag, da ich nur bis 12.50 Uhr Unterricht habe. Heute ist es jedoch die absolute Hölle. Habe begonnen, die Gläser im Wohnzimmer zu polieren.

Mittwoch, 17??Uhr: Ich drehe beinahe durch. Hab gerade mit einem Kumpel telefoniert, der mich gefragt hat, wo ich denn bleibe. Auf mein „Hä, ich weiß gar nicht, wovon du redest“, folgte nur ein irritiertes „Wieso, ich hab dir doch eine Mail ?geschickt“. Ich fühle mich leicht verkohlt und lege wütend den Hörer auf.

Immer noch Mittwoch: Habe kein Zeitgefühl mehr und deshalb beschlossen, die Zeit sinnvoll zu nutzen: Ich lese ein Buch – Tolstois Mammutwerk „Krieg und Frieden“.

Donnerstagmorgen: Bin auf dem Weg zur Schule kurz weggenickt, da ich in der Nacht keinen Schlaf gefunden hab. Ich sehne mich nach diesem süßen kleinen Pling-Geräusch bei einer neuen Mail.

Donnerstag, 16.30 Uhr: Bin fertig mit „Krieg und Frieden“. Eigentlich sollte es mich mit Stolz erfüllen. Tolstoi kann mir aber nicht helfen. Ich widme mich meinem Helden Frédéric Beigbeder, dem Autoren meines derzeitigen Lieblingsbuchs „39 90“.

Freitag 6 Uhr: Ich habe gestern Abend vergessen, den Wetterbericht zu gucken, stehe deshalb ratlos vor dem Kleiderschrank. Mit zwei Klicks auf dem Handy wäre das Problem gelöst. Ich bin verdammt nah dran, das Verbot zu unterbrechen. Widerstehe!

Freitag, 13 Uhr: Bin auf dem Weg zur Sportstunde. Wo ist der Parallelkurs? Bekomme mitgeteilt, dass der Stundenausfall doch schon bei Facebook rumgegangen ist. Ernte den Spruch: „Mensch Sopsi, kriegst du gar nichts mehr mit?“

Freitag, 16.25 Uhr: Ich bin unfähig, mein Wochenende zu planen. SMS ist wohl aus der Mode. Bin dabei, nervöse Ticks zu entwickeln, wie heftiges Beinzucken und leichtes Zittern.

Freitag 16.30 Uhr: Es juckt mich in den Fingern, nur eine einzige Taste muss ich auf dem Handy drücken. Widerstehe! Noch!

Freitag, 16.45 Uhr: Habe begonnen, mit mir selbst zu sprechen. Meine Mutter sagt, sie bekommt langsam Angst vor mir. Fühle mich hilflos und völlig von der Außenwelt abgeschnitten.

Freitag 17 Uhr: Ich kapituliere. 96 Stunden habe ich durchgehalten, ich bin wirklich stolz, auch wenn die vergangenen Tage zu den schlimmsten meines Lebens gehörten.

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