Facebook  Twitter
Magazin

Jörg Kühl 27.01.2012 08:05 Uhr

magazin/magazin/dg/0/

Mit dem Rolli in den Unterricht

Görzig (MOZ) Drei Grundschulen des Altkreises Beeskow wollen Pilotschule Inklusion werden. Die Görziger und die Lieberoser Schule verfügen seit Jahren über Erfahrungen bei der Eingliederung beeinträchtigter Kinder.

  Geht nicht, gibts nicht: Die Schule des Friedens in Görzig verfügt seit sechs Jahren über technische Hilfen für körperbehinderte Kinder. Hier versammelt sich die Klasse 5 am Treppenlift. © MOZ/Jörn Tornow

Die Schule des Friedens in Görzig, die Rolf Zuckowski-Schule in Lindenberg und die Grundschule Lieberose haben sich um den Status "Pilotschule Inklusion" beworben. Die Einrichtungen wollen künftig Kinder mit Lernschwächen, körperlichen Gebrechen, Entwicklungs- und Sprachdefiziten in den regulären Unterricht integrieren. Hintergrund ist der Wille der Landesregierung, ab dem Schuljahr 2015/2016 die "Schule für alle" - beginnend mit der Jahrgangsstufe 1 - umsetzen. Um diesen Prozess vorzubereiten, gehen ab dem kommenden Schuljahr landesweit "Pilotschulen Inklusion" an den Start. Sie erhalten für fünf Prozent ihrer Schüler zusätzlich 3,5 Lehrerwochenstunden pro Schüler als Basisausstattung für eine "förderdiagnostische Lernbegleitung". Das bedeutet: Eine Schule mit 100 Schülern bekommt zusätzlich 17,5 Lehrerwochenstunden zugeteilt. Für die Bildung von Klassen an den Pilotschulen gilt künftig der Frequenzrichtwert von 23 Schülerinnen und Schülern (statt 25). Das hat die positive Folge, dass die Klassen bereits ab 25 Schülern geteilt werden können. An normalen Grundschulen kann erst ab 28 Schülern geteilt werden.

Leitgedanke der Inklusion ist, dass alle Kinder, ob körperbehindert, lerngeschwächt oder gesund, gemeinsam in einer Schule lernen. Dahinter verbirgt sich der Grundsatz der Chancengleichheit auf Bildung. Das ist das Ziel der UN-Behindertenrechtskonvention, die seit dem 19. Dezember 2008 in Deutschland gilt und im November 2009 von der Landesregierung im Koalitionsvertrag verankert wurde.

Die Bewerbung um den Status Pilotschule Inklusion wurde in den Schulgremien der teilnehmenden Einrichtungen beschlossen. Auch die Schulträger - das sind in Görzig und in Lindenberg die Gemeinden und in Lieberose das Amt - mussten dem Vorhaben ihrer Schule zustimmen.

Für die drei Schulen, die Pilotschulen werden wollen, ist die Inklusion nicht grundsätzlich neu. "Das wäre eine Fortführung der Arbeit, die wir hier bisher ohnehin schon gemacht haben", sagt die Schulleiterin der Rolf Zuckowski-Schule in Lindenberg Anne-Katrin Claus. "Wir sind eine der ersten Flex-Schulen in Brandenburg gewesen und eine Ganztagsschule. Beides sind Voraussetzungen für erfolgreiche Inklusion." Wer Flex richtig gemacht habe, habe ja bereits so gearbeitet, wie es nun sein solle, betont die Schulleiterin.

In Lieberose und in Görzig werden schon seit Jahren Kinder mit Beeinträchtigungen in den Unterricht integriert. "Wir haben das Privileg, mit Ivonne Renger eine Sonderpädagogin in unseren Reihen zu haben", erklärt die stellvertretende Leiterin der Grundschule Lieberose, Siegrid Jakobitz.

Die Schule des Friedens in Görzig ist auf dem Weg in Richtung Inklusion womöglich schon weit fortgeschritten. Dass die Schule samt ihrem Träger, der Gemeinde Rietz-Neuendorf, sich für behinderte Kinder einsetzt, ist schon bei der Besichtigung des Treppenhauses zu sehen: Seit 2005 verfügt die Schule über einen Treppenlift, der von Kindern, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, per Knopfdruck mühelos zu bedienen ist. Schulleiter Günter Poeschke ist wichtig, dass die Kinder mit Beeinträchtigungen nicht separat gefördert werden, sondern mit den gesunden Kindern gemeinsam in der Schulbank sitzen. Die Schule habe sich auf den Leitsatz "Alle sind gleich, alle sind verschieden, keiner ist ausgeschlossen" verständigt.

Artikel kommentieren   Seite empfehlen     Druckversion

 




...