“Passt auf jede Gurke“ - die Kondomplakate der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hängen an jeder Ecke.

Durch die Online-Portale dieser Welt geistert dagegen ein aufwühlender Clip von Curse alias Michael Kurth. Ganz unverhofft wurde der Rapper zum Aufklärer im Internet. In seinem Song "24“ beschreibt er einen One-Night-Stand, den Rausch eines Augenblicks, der ein Leben zerstört.

An Aids hatte der Lyriker unter den deutschen Rappern dabei zunächst gar nicht gedacht. "Es war eher so, dass ich einen Song über Zeit schreiben wollte. Darüber, wie eine Sekunde das ganze Leben verändern kann. Nach ein paar Zeilen war das Thema da", so Curse über seine Geschichte.

Ohne selbst betroffen zu sein, sei ihm die Thematik allgegenwärtig: "Ich habe auch Sex. Ich hatte auch schon One-Night-Stands und habe danach Blut und Wasser geschwitzt".

Youssef Chemao, ein 22-Jähriger, der in Duisburg Kulturtalente zusammen bringt, hörte die aktuelle Curse-Scheibe "Sinnflut" auf einer Autofahrt. Hörte den Titel "24" mehrmals: "Der Beginn ist der Schluss…Sechs Tage Warten auf Werte…". Der Text ging ihm unter die Haut. Anders als die großen Aidskampagnen: "Da fehlt mir der Schock-Effekt".

Seine Berührung wollte er "unbedingt weitergeben". Selbst "kreativ ohne Ende", aber ohne das nötige Know-how, bebilderte er die Geschichte mit der Unterstützung von Kamil Keister. Die Videos des Studenten hatten ihn auf MySpace beeindruckt, er sprach ihn einfach an.

Die schlichte Zeichensprache des Videos ist es, die den Zuschauer unmittelbar in die Story zieht und mit eigenen Erlebnissen konfrontiert.

Wenn etwa ein Bagger rumrödelt, heißt das – logisch: "Drei bis vier Stunden gebaggert". Zwei Zigaretten sind die "Pause" vorm Danach. Zahlen und Symbole pulsieren zur Musik und zeichnen die Dramatik nach, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger daherzukommen.

Das Video schickten die beiden Curse, dem sofort klar war: "Das ist der Killer. Damit muss was passieren". Der Rapper stellte es frei verfügbar ins Netz.

Auch der Deutschen AIDS-Hilfe hat es der Spot angetan: "Damit erreichen wir Jugendliche, deren Sprache wir selbst nicht mehr sprechen", so die Pressesprecherin Ramona Hering.

Mit dieser Unterstützung verfolgen Curse und Youssef weitere Pläne: "Traummäßig wollen wir das Ganze in die Kinos bringen". Was nicht so leicht ist bei drei Minuten Länge. Ein Werbespot dauert normalerweise 30 Sekunden.

Überhaupt ist es "nicht so einfach, so ein Ding massenmedial unterzubringen", meint der Songschreiber, obwohl "die Leute alle darauf anspringen". In die tägliche Rotation hätten MTV und Viva das Video nicht nehmen wollen: "Zu speziell".

Trotzdem - "Das Feedback war richtig Hammer. Vier, fünf Freunde, denen ich den Clip gezeigt habe, haben gleich einen Aids-Test gemacht", beschreibt Youssef die ersten Reaktionen noch vor der Veröffentlichung.

Und: "Eine Gänsehaut hatten auch die Leute von MTV", hat Curse sich sagen lassen. Im Fernsehen wird der Aids-Clip immerhin heute zum Weltaidstag ausgestrahlt.

www.curse.de
www.myspace.com/chemao
www.k--7.de