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Karin Geupel 09.07.2012 06:39 Uhr
Red. Frankfurt (Oder), frankfurt-red@moz.de

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Rappen für Neu-Amerika

Slubice (MOZ) Ein ganzes Semester haben sich Studenten der Europa-Universität Viadrina im Praxisseminar Kulturmanagement mit Nowa Amerika - der Grenzregion Deutschland-Polen beschäftigt. Ihre Projekte vom Kochbuch bis zur Hymne präsentierten sie Ende vergangener Woche im Kulturhaus Smok in Slubice.

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Bild Rappen für Neu-Amerika  

Eigene Flagge, eigene Fabel: Eine der Studentengruppen hat dem Grenzgebiet zwischen Deutschland und Polen eine Fabel über die Unterschiede in Nowa Amerika geschrieben.

© Karin Geupel

Nowa Amerika - Neu Amerika. Kaum einer weiß, was damit gemeint ist und doch leben alle Frankfurter und Slubicer jeden Tag darin. Gemeint ist die Grenzregion mit ihrer "Hauptstadt" Slubfurt. Gemeint ist damit aber auch ein Verschwimmen jeglicher Grenzen zwischen den beiden Ländern Polen und Deutschland. Das Produkt dieser Verschmelzung ist ein neues Land: Nowa Amerika.

Einige verständnislose Gesichter waren im Smok in Slubice doch zu sehen, als Michael Kurzwelly, am Donnerstagabend vor die große Flagge des Landes Nowa Amerika trat, um zu erklären, was Nowa Amerika überhaupt ist. Friedrich der Große überredete einst im 18. Jahrhundert deutsche Siedler nicht nach Amerika auszuwandern, sondern sich stattdessen besser im Gebiet zwischen Oder und Neiße, rund um Kostyczyn anzusiedeln. Bald entstanden dort viele Siedlungen mit Namen wie Pennsylvania, Neu York oder auch Malta, deshalb bekam dieses Gebiet schließlich den Namen Neu Amerika. Im Jahr 2010 beschlossen Künstler und Freigeister wie Michael Kurzwelly, Dozent des Praxisseminars Kulturmanagement an der Europa-Universität Viadrina, das Gebiet von Bautzen im Süden bis Szczecin im Norden in einen neuen Kunst-Staat namens Nowa-Amerika umzuwandeln. Damit sollten Grenzen aufgehoben, neue Möglichkeiten der Verständigung geschaffen und alte Denkweisen aufgebrochen werden.

Das war auch eines der Lernziele im Kurs Kulturmanagement. Daneben gab es aber auch einen ganz pragmatischen Grund für dieses Seminar: "Die Studenten sollen hier ihre eigenen Projekte rund um die Grenzregion verwirklichen. Also von der ersten Idee bis hin zum heutigen Abend sollten sie alles selbst gestalten und organisieren", sagte Michael Kurzwelly.

Die unterschiedlichen Ideen haben die Studenten dann auch in ihren multikulturellen Teams verwirklicht: Eine Hymnen-Gruppe dichtete und sang eine eigene Rap-Hymne für Nowa-Amerika, während eine andere Gruppe eine Fabel über Unterschiede in der Grenzregion schrieb. Eine andere Gruppe hatte sich wiederum zur Aufgabe gemacht, ein Portrait-Buch - ähnlich dem eines Jahrbuchs einer Abschlussklasse - der nowa-amerikanischen Bürger zu erstellen. Dazu war einige Arbeit nötig. "Wir haben zuerst Fragebögen erstellt, diese dann an die etwa 100 Nowa-Amerikaner geschickt und die Antworten schließlich ausgewertet", erzählt Simon Spatz, Betriebswirtschafts-Student und eines der Mitglieder des Portrait-Teams. "In den Fragebögen wollten wir zum Beispiel wissen, was für die Leute typisch nowa-amerikanisch ist. Da haben wir dann ganz tolle Antworten bekommen. Zum Beispiel, dass es typisch ist, viele Ideen für das Gestalten einer anderen Wirklichkeit zu haben."

Zum Abschluss wartete auf alle Gäste noch ein besonderes Schmankerl. Die Kochgruppe hatte ein kleines Menü mit typischen nowa-amerikanischen Gerichten zusammengestellt. Da unter den Seminar-Teilnehmers viele unterschiedliche Nationalitäten vertreten waren, spiegelte sich auch in der Speisen-Auswahl die Multi-Nationalität der Gruppe wieder. Gereicht wurden eine Vorspeise aus der Türkei, ein Hauptgericht aus Bosnien und ein Dessert aus Afghanistan. Verziert wurde das Ganze mit einer kleinen Geschichte, die von den Autorinnen des ersten nowa-amerikanischen Kochbuchs in einem Schattenspiel szenisch dargestellt wurde.

Wer nun Lust bekommen hat, alle Geschichten aus Nowa-Amerika selbst zu erfahren, der kann die Ergebnisse des Seminars nach Ende des Semesters in der Mediathek der Bibliothek des Collegium Polonicum in Slubice nachlesen.

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